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Das Gold der Erde

Bernhard Ehrmann leitet den WALA Heilpflanzengarten.

Herr Ehrmann, was bedeutet für Sie Qualität bei Ihrer täglichen Arbeit im WALA Heilpflanzengarten?

Bernhard Ehrmann:

Uns Gärtnern ist es wichtig, Prozesse bewusst wahrzunehmen und in Kreisläufen zu denken. Wie wirken Boden, Pflanze, Tier und Mensch im Garten zusammen? Es gibt hier sehr unterschiedliche Lebensräume: schattig-waldige und sonnige Areale, einen Bachlauf, einen Teich, sowohl windige als auch feuchte Ecken. Wie können wir den Garten so vorbereiten, dass Pflanzen in ihm zu Heilpflanzen werden können?

Was macht denn eine Pflanze zur Heilpflanze?

Bernhard Ehrmann:

Wenn wir uns eine Pflanze vorstellen, sehen wir eine ausgewogene Gestalt mit Wurzeln, Stängel, Blättern und Blüte vor Augen. Eine Heilpflanze weicht von diesem Idealtypus ab. Sie hat zum Beispiel eine extrem große oder nur sehr kleine Wurzel. Sie blüht vielleicht zu einer ungewohnten Jahreszeit oder wächst am besten an einem klimatisch extremen Standort. In unserem Garten ermöglichen wir der Heilpflanze, ihr Wesen im Wachstum zum Ausdruck zu bringen.

Das klingt fast so, als wenn Sie die Heilpflanzen wie gleichberechtigte, sehr individuelle Partner erleben.

Bernhard Ehrmann:

Ja, das kann man so sehen. Jeder WALA Gärtner betreut bestimmte Heilpflanzenarten und kümmert sich intensiv um ihre Bedürfnisse.

Der Heilpflanzengarten befindet sich direkt hinter dem ältesten WALA Firmengebäude in Eckwälden. Dieser landwirtschaftlich geprägte Ort liegt in Süddeutschland, am Fuße der Schwäbischen Alb.

Die große Vielfalt der kultivierten Arten ist einzigartig: Mehr als 150 verschiedene Pflanzenarten gedeihen hier für die Herstellung der WALA Arzneimittel und der Dr. Hauschka Kosmetik.

Die 4,5 ha große Fläche kultivieren sechs Gärtnerinnen und Gärtner kontinuierlich mit biologisch-dynamischen Methoden.

Im Heilpflanzengarten entsteht ein möglichst geschlossener Kreislauf, der auch Platz für Wildpflanzen und Tiere bewahrt.

Wie sieht diese Pflanzenbetreuung aus?

Bernhard Ehrmann:

Man könnte sagen, dass die Betreuer Wortführer für die Pflanze sind. Unsere Gärtnerin Tine Janssen betreut zum Beispiel den Sauerklee. Sie beobachtet ihn genau und sorgt dafür, dass er seinen optimalen Wachstumsplatz im Garten bekommt. Sauerklee ist eine Waldpflanze und darf bei uns unter Bäumen wachsen. Tine erkennt, wenn es dem Sauerklee nicht gut geht und er eventuell eine spezielle Pflegemaßnahme benötigt. Wenn der optimale Erntezeitpunkt naht, beobachtet Tine den Sauerklee täglich – zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem Pflanzenlabor, die den Sauerklee verarbeiten. Zusammen entscheiden sie auf den Tag genau, wann die Pflanzen zu ernten sind. Ringelblumenblüten für Arzneimittel dürfen sogar nur die Pflanzenlaboranten selbst pflücken. Sie haben ganz besondere Ansprüche an den Zustand der Blüte. Sie muss bereits geöffnet, darf aber nicht voll aufgeblüht sein. Das Gute ist, dass das Pflanzenlabor räumlich direkt an unseren Garten angrenzt. Die frisch geernteten Heilpflanzen gelangen also direkt zu ihnen in die Verarbeitung.

Der WALA Heilpflanzengarten ist biologisch-dynamisch kultiviert. Was ist die Besonderheit dieser Kulturweise?

Bernhard Ehrmann:

Der biologisch-dynamische Garten stellt nach Möglichkeit einen geschlossenen Kreislauf dar. Wir sammeln die Samen und ziehen aus ihnen die nächste Generation Pflanzen heran. Den Boden betrachten wird als lebendigen Organismus. Pflanzenabfälle aus dem Garten und der Produktion gelangen auf unsere Kompostreihen. Sie sind quasi das Herz des Gartens. Sie liefern nicht nur Dünger für die Beete. Ausgereifter Kompost ist vielmehr ein Regulator und Vermittler im Gartensystem.

Kompost als Regulator und Vermittler? Wie ist das zu verstehen?

Bernhard Ehrmann:

Einerseits ganz einfach dadurch, dass sich auf dem Kompost Pflanzenmaterialien aus allen Jahreszeiten treffen. Wir tragen die Vielfalt des Gartens auf einen Punkt zusammen. Das ist wie ein langes Einatmen. Dann geben wir dem Kompost viel Zeit für den Reifeprozess. Zweieinhalb Jahre lang dürfen die Pflanzenmaterialien verrotten, die Qualitäten der Jahreszeiten erleben und etwas Neues bilden. Es ist ein zutiefst harmonischer Prozess. Denn Harmonie bedeutet die Vereinigung von Entgegengesetztem zu einem Ganzen. Wir könnten den Prozess durch sehr häufiges Umsetzen beschleunigen. Das wollen wir aber nicht.

Und dann beginnt das große Ausatmen?

Bernhard Ehrmann:

Ja, genau. Wir verteilen den Kompost zu verschiedenen Zeiten auf die Beete. Jede Pflanzenart bekommt individuell angepasste Kompostgaben. Darauf achten ihre Betreuer. Er wirkt dort als belebender Vermittler. Die Harmonie seines Rotteprozesses gibt er an die Pflanzen weiter. Das Pflanzenwachstum läuft mit Kompost regulierter ab, als wenn die Pflanzen vom Kompost lernen würden, das richtige Maß zu finden. Sie sind dann viel widerstandsfähiger gegen Schädlinge und entwickeln sich zu kräftigen Heilpflanzen für die WALA Arzneimittel und die Dr. Hauschka Kosmetik.

Herzlichen Dank für das Gespräch.