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Rohstoffjuwelen

Diese Bio-Aprikosenkerne stammen aus der Türkei. Der Lieferant baut sie in ökologischer Qualität an. Foto: Silicya Roth

Jeder Koch weiß: Mit welkem Gemüse lässt sich kein leckeres Gericht zubereiten. In der Produktion von Arzneimitteln und Naturkosmetik ist es ähnlich. Der Rohstoffeinkauf spielt für die WALA deshalb seit jeher eine zentrale Rolle. Zum Einsatz kommen pflanzliche, mineralische und tierische Ausgangsstoffe, also überwiegend nachwachsende Substanzen. Sie stammen möglichst aus biologisch-dynamischem oder aus ökologischem Anbau. Ihre Beschaffung lässt sich bisweilen mit einer Schatzsuche vergleichen.

Weltweite „Schatzsuche“ nach kostbaren Rohstoffen

Keiner weiß das besser als Ralf Kunert. Er ist Geschäftsführer der Naturamus GmbH, einer hundertprozentigen WALA Tochter. Gemeinsam mit einem 20-köpfigen Team ist er weltweit auf der Suche nach über 1.000 verschiedenen Rohstoff-Juwelen. Das Unternehmen existiert seit Anfang 2014. Damals gliederte die WALA die Beschaffung von Roh- und Ausgangsstoffen für die Dr. Hauschka Kosmetik und die WALA Arzneimittel in eine eigenständige Tochtergesellschaft aus.

Hoher Anspruch erfordert Kreativität

„Aufgrund unseres hohen Qualitätsanspruchs müssen wir in vielen Fällen selbst aktiv werden“, erklärt Ralf Kunert. „Oft gibt es die gewünschten Stoffe nämlich nicht am Markt zu kaufen. Deshalb initiieren wir biologisch-dynamische Anbauprojekte und Kooperationen auf der ganzen Welt.“ Die Definition von Qualität ist dabei für jeden Rohstoff individuell. Zunächst ist die chemisch-physikalische Zusammensetzung von Bedeutung: Stammt der Rohstoff von der richtigen Pflanze? Dies lässt sich im Labor prüfen. Bei der Sensorik hingegen wird es schon schwieriger. „Manche Sonnenblumenöle zum Beispiel kratzen regelrecht auf der Haut“, weiß Ralf Kunert. „In diesen Fällen ist der Mensch das beste Messinstrument. Unsere Sinne arbeiten viel feiner als jede Technik.“ Des Weiteren sind Regionalität und Anbaumethode wichtig. „Wo immer möglich kaufen wir Demeter- oder Bio-Ware ein“, sagt der Naturamus-Chef. Doch er macht sich das Leben nicht leicht, indem er sich schlicht auf ein Label verlässt. „Wir schauen uns die Partner vor Ort genau an, lernen sie kennen und betrachten vor allem den gesamten Anbau- und Produktionsprozess.“ Arbeitet der Lieferant von der Saat bis zur Ernte oder Abfüllung sauber und korrekt? Nur auf diese Weise lassen sich Panschereien und Falschdeklarationen entdecken und vorbeugen. Denn: Je teurer ein Rohstoff ist, desto attraktiver wird er auch für Manipulationen. „Eine lückenlose Dokumentation ist daher ein Qualitätsmerkmal“, unterstreicht Ralf Kunert. „Nur so lässt sich die Herkunft eines Rohstoffs wirklich zurückverfolgen.“

Ralf Kunert, Geschäftsführer der Naturamus GmbH, vor dem Bild einer Wandtafelzeichnung von Rudolf Steiner.

Die glänzend braunen Kugeln sind Bio-Macadamianüsse aus Kenia. Sie gehören zu den teuersten Nüssen der Welt. Daher heißt die Macadamia auch „Königin der Nüsse“.

In der Moringaschote stecken nussartige Samen, die wertvolles Öl enthalten. Eine Naturamus-Mitarbeiterin brachte sie für künftige Projekte aus Indien mit.

Die getrockneten Rosenblüten kommen aus dem Iran. Mit Oliven-, Mandel- und Jojobaöl entsteht aus ihnen ein Ölauszug.

Frische Rosenblüten werden direkt in den jeweiligen Anbauländern zu kostbarem ätherischem Rosenöl verarbeitet.

Bio-Mangokerne aus Indien enthalten die für die Kosmetik-Produktion wichtige Mangobutter.

Naturamus-Mitarbeiterin Christine Ellinger (l.) mit indischen Arbeiterinnen, die Mangokerne trocknen und selektieren. Foto: Naturamus GmbH

Naturamus blickt auf Prozessqualität

Qualität umfasst im Hinblick auf Rohstoffe also nicht nur die Güte des fertigen Produktes, sondern vielmehr den gesamten Weg seiner Entstehung. „Auch langfristige Handelsbeziehungen sind ein Zeichen für Qualität“, ist Ralf Kunert überzeugt. „Durch sie ermöglichen wir den Menschen vor Ort ein sicheres Einkommen und machen sie wirtschaftlich unabhängig.“ Das Spannendste an der Arbeit der Naturamus ist, ganz neue Partner aufzubauen. Dies erfordert viel Ausdauer und trägt mitunter erst nach Jahren Früchte. „Wir brauchen oft einen langen Atem, der aber wichtig ist um nachhaltig zu arbeiten“, bekennt Ralf Kunert. Diese Geduld kann er sich leisten, weil die WALA keine kurzfristigen Saisonartikel, sondern seit Jahrzehnten ein stabiles Sortiment produziert, das dem Rohstoffeinkauf eine gewisse Planungssicherheit schenkt. Neben dem Alltagsgeschäft hat die Naturamus – wie die WALA – eine Vision: „Den Demeter-Anbau weltweit fördern, Pflanzen und Boden ins Gleichgewicht bringen und so der Erde einen Heilungsimpuls vermitteln“, sagt Ralf Kunert.

Dieser Artikel wurde erstmals in der viaWALA September 2015 veröffentlicht.