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Beste Reste

Der Senfanbau hat im Distrikt Tonk in der indischen Region Rajasthan eine lange Tradition. Im trockenen Klima ist Senf die wichtigste Ackerpflanze, die gelben Blüten prägen ganze Landstriche.

Wer im Winter durch die Region Tonk fährt, dem fallen die gelben Felder ins Auge: Die Farbe des blühenden Senfs dominiert ganze Landstriche. Tonk liegt in Rajasthan, dem flächenmäßig größten Bundesstaat des indischen Subkontinents. Zur Region zählen die trockensten Gebiete Indiens, darunter die Wüste Thar. Landwirtschaft, Viehzucht und das Textilhandwerk sind die Haupteinnahmequellen der Menschen. Im trockenen Klima der Region, die immer wieder unter Dürren und Ernteausfällen leidet, ist Senf die wichtigste Ackerpflanze.

Bisher wurden die Senfschalen und -stängel, die bei der Verarbeitung zu Senföl übrig bleiben, einfach verbrannt. Dadurch waren sie weder ökonomisch noch energetisch von nachhaltigem Nutzen. Genau diese Erntereste verwendet das 8-MW-Biomassekraftwerk zur Stromproduktion. Jedes Jahr beliefern rund 5.500 Kleinbauern das Kraftwerk mit ihren Ernteresten und verdienen sich damit ein zusätzliches Einkommen.

Die Nutzung der Senferntereste zur Stromproduktion ist neu. Traditionell werden Erntereste verbrannt, die Asche wird als Dünger auf den Feldern verteilt und bleibt so dem Nährstoffkreislauf erhalten. Bei der Energiegewinnung aus Biomasse liegt daher ein besonderes Augenmerk auf der Nachhaltigkeit.

Weiterhin verbrennen die Bauern einen Teil der Erntereste, etwa 25 Prozent, in den Ziegelöfen der Region. Das ergibt ausreichend Dünger für die Felder. Rund 75 Prozent der Erntereste bleiben ungenutzt bei den Bauern – und stehen somit für die Energiegewinnung zur Verfügung.

Der Verkauf ihrer Erntereste stellt für die Bauern eine Einkommensquelle dar, die ihre Armut reduziert. Jedes Jahr beliefern rund 5.500 Kleinbauern das Kraftwerk mit ihren Ernteresten.

Die Bauern werden nach der Anlieferung ihrer Erntereste sofort bezahlt. Eine Mengenvorgabe für die angelieferten Erntereste gibt es nicht: Auch Bauern mit wenig Land und kleiner Ernte können sich etwas dazuverdienen.

Die Traktoren, die die Erntereste der Bauern von den Sammelzentren zum Kraftwerk transportieren, werden beim Befahren und beim Verlassen der Anlage gewogen. Die Sammelstellen sind dezentral angelegt, sodass alle Bauern der Region ihre Erntereste auch ohne eigene Transportmittel anliefern können.

Das Biomassekraftwerk in Tonk produziert das ganze Jahr über Energie, obwohl die Erntereste nur über einen Zeitraum von zwei Monaten nach der Ernte im März angeliefert werden. Seit dem Start steigerte das Kraftwerk die produzierte Menge Strom deutlich: In den ersten Jahren speiste es im Schnitt knapp 30.000 MWh/a in das öffentliche Netz ein. In den letzten Jahren waren es kontinuierlich 50.000 MWh/a.

In der Anlage entstanden Arbeitsplätze für die kaufmännische und technische Betriebsführung sowie im Bereich Lagerung und Biomasseeinbringung. 2017 waren 28 Mitarbeitende im technischen, 22 im administrativen Bereich und weitere 123 freie Mitarbeitende in den Bereichen technische Assistenz, Sicherheit und Administration beschäftigt.

Jeden Monat übermittelt der Kraftwerksbetreiber KPTL die Menge an eingespeisten kWh an den örtlichen Netzbetreiber – und versorgt so rund 55.000 Menschen in der Region mit umweltfreundlichem Strom.

Bevor sie verfeuert werden, müssen die Erntereste möglichst lange trocknen. In der Pilotphase des Projektes führten starke Winde zu Staubaufwirbelungen in der extrem trockenen Region. Das Anlegen eines grünen Gürtels aus 1.800 Bäumen um die Anlage und in der Region löste das Problem.

KPTL, atmosfairs Projektpartner vor Ort, ist schon seit langer Zeit in der Projektregion verwurzelt. Mit den zusätzlichen Einnahmen aus dem CDM-Projekt unterstützte KPTL unter anderem die Mädchenschule in Uniara mit der Finanzierung einer Umkehrosmoseanlage und acht Computern für den Computerraum der Schülerinnen und übernahm die Schulkosten für Kinder aus einkommensschwachen Familien in Jhundwa und Aligarh.

Realisiert wurde das Biomassekraftwerk von atmosfair und dem indischen Partner Kalpataru Power Transmission Limited (KPTL). Den umweltfreundlichen Strom, den es produziert, speist es in das öffentliche Stromnetz ein. Dadurch wird Energie aus fossilen Kraftwerken mehr und mehr verdrängt. Über den CDM* zahlt atmosfair für jede vermiedene Tonne CO2 einen Geldbetrag an KPTL. Da die vermiedene Tonne CO2 und die produzierte und in das Netz eingespeiste Strommenge direkt proportional zueinander sind, können die über den CDM an die Anlagenbetreiber fließenden Gelder als eine Art Einspeisevergütung verstanden werden.

atmosfair hat sich trotz stark schwankender Marktpreise für Emissionsreduktionen zu einer langfristigen Unterstützung des Projekts verpflichtet. Dadurch wird gewährleistet, dass das Projekt ökonomisch erfolgreich betrieben werden kann und der Anteil erneuerbarer Energie im Energiemix Indiens positiv beeinflusst wird. Seit dem Start steigerte das Kraftwerk kontinuierlich die produzierte Menge Strom: Speiste es in den ersten Jahren im Schnitt knapp 30.000 MWh/a in das öffentliche Netz ein, waren es in den letzten Jahren regelmäßig 50.000 MWh/a.

Durch die Unterstützung der WALA kann die nachhaltige Stromproduktion der nächsten Jahre garantiert werden. Zusätzlich hilft WALA Kleinbauern in Rajasthan, die wirtschaftlich ums Überleben kämpfen. Jedes zusätzliche Einkommen hilft den Familien, ihre Kinder zur Schule zu schicken und ihren Betrieb aufrechtzuerhalten.

Erfahren Sie im Artikel „Klima? Neutral!“, wie wir Emissionen vermeiden.

*CDM = Clean Development Mechanism (Mechanismus zur Senkung des Treibhausgasausstoßes, Teil des Kyoto-Protokolls)