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Heilpflanze Baum

Im Alter von 9 Jahren entwickelte Felix Finkbeiner die Idee, dass Kinder Klimagerechtigkeit fördern könnten, indem sie in jedem Land eine Million Bäume pflanzen. Bis heute wurden mehr als 88.000 Kinder und Jugendliche in 74 Ländern in Plant-for-the-Planet-Akademien ausgebildet. Foto: Plant-for-the-planet

Die Vision: in jedem Land der Erde eine Million Bäume

Alles begann mit meinen Hausaufgaben. Ein Referat sollte ich halten, Thema: Erderwärmung. Das war 2007, und gerade war der Film „Eine unbequeme Wahrheit“ mit Al Gore in den Kinos gelaufen. Ich war in der vierten Klasse und recherchierte also über die Klimakrise. Bald fand ich etwas heraus, was mich unglaublich beeindruckte: Es gab eine Frau, die hatte in Afrika gemeinsam mit vielen anderen Frauen in 30 Ländern 30 Millionen Bäume gepflanzt, Wangari Maathai, Professorin aus Kenia.

Bäume, das wusste ich da schon, ziehen CO2 aus der Atmosphäre und binden es im Holz. Ich hatte eine Idee: Könnten nicht auch wir Kinder in jedem Land der Erde eine Million Bäume pflanzen? Das war die Vision, die ich meinen Mitschülern am Ende des Referats aufzeigte. Und alle waren begeistert. Eine Million pro Land der Erde, was für ein Ziel! Dabei war das einfach damals so ziemlich die größte Zahl, die ich mir als Kind vorstellen konnte. Drei Jahre später pflanzten wir in Deutschland den millionsten Baum. Und 2011 stand ich dann im Alter von 13 Jahren vor den Vereinten Nationen und hielt eine Rede, in der ich 1.000 Milliarden Bäume für die Zukunft von uns Kindern forderte. Die Trillion Tree Campaign war geboren.

BotschafterInnen für Klimagerechtigkeit

Damals konnte ich nicht ahnen, dass ich im Jahr 2020 dieselbe Forderung aus dem Mund von Erwachsenen hören sollte, auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Marc Benioff, CEO von Salesforce, und Klaus Schwab, Gründer des World Economic Forum, verkündeten dort eine Plattform, um „a trillion trees“ zu pflanzen. Selbst Donald Trump schloss sich an und sagte, die USA wollten mithelfen, „a trillion trees“ zu pflanzen. Da haben wir Kinder und Jugendlichen von Plant-for-the-Planet eine wunderbare Nachricht: Sie alle können damit heute anfangen. Wir haben die Plant-for-the-Planet-App entwickelt, mit der es kinderleicht ist, Bäume in Ländern des globalen Südens zu pflanzen. Zahlreiche Pflanzprojekte präsentieren sich: Wir bieten das kostenlos an und haben die Plattform als Allmende entwickelt, open source, für alle.

Ich bin inzwischen 22, aber noch immer sind es in unserer Initiative die Kinder und Jugendlichen, die diese Idee weitertragen. In unseren Akademien können sie sich zu Botschaftern für Klimagerechtigkeit ausbilden lassen. Sie lernen, warum wir uns in einer Klimakrise befinden, was dazu führt, dass sich die Erde immer mehr erwärmt, und sie erfahren auch etwas darüber, dass nicht nur der Wohlstand, sondern mit diesem auch der CO2-Ausstoß sehr ungleich verteilt ist. Und dass es ein sehr einfaches Rezept gibt, das helfen kann, dieser Spirale zu entkommen. Und natürlich pflanzen sie selbst Bäume, mit den Händen in der Erde und freudestrahlenden Gesichtern. Zumindest, wenn es endlich geschafft ist, denn manchmal ist es gar nicht so einfach, das Erdloch zu buddeln.

Pflanzaktion mit Schülern: Im Juni 2018 pflanzte Felix in Uffing am Staffelsee, Deutschland, zusammen mit einigen Kindern einen Baum. Foto: Plant-for-the-planet

S.D. Fürst Albert II. von Monaco und Felix Finkbeiner unterzeichnen die Billion Tree Declaration. Weitere 30 Ehrengäste unterzeichneten und versprachen, dabei zu helfen, gegen die Klimakrise und für die Zukunft der Kinder und Jugendlichen eine Billion Bäume zu pflanzen. Foto: Plant-for-the-planet

Bundespräsident Steinmeier überreichte am 22. Mai 2018 dem 20-jährigen Felix Finkbeiner das Bundesverdienstkreuz (Verdienstmedaille der Bundesrepublik) für seine Verdienste rund um die Bekämpfung der Klimakrise. „Es freut uns Kinder und Jugendliche, dass die Erwachsenen unser Engagement mit dieser Auszeichnung ehren und ernst nehmen. Aber lieber wäre es uns, wenn die Bundesrepublik jedes Jahr zwei Milliarden Bäume für unsere Zukunft pflanzen würde“, erklärte Felix. Foto: Plant-for-the-planet

Die "Trillion Tree Campaign"

1.000 Milliarden Bäume, das haben Wissenschaftler an der Yale Universität für uns 2015 in einer Studie ausgerechnet, können ein Viertel des menschengemachten CO2 aufnehmen, dauerhaft. Denn sie speichern den Kohlenstoff in ihrem Holz. All diese Bäume, sind sie erst einmal gepflanzt, können uns so 15 Jahre mehr Zeit verschaffen, den globalen CO2-Ausstoß auf null zu senken.

Wir haben also die „Trillion Tree Campaign“ ausgerufen und den Baum zur Heilpflanze für das Klima erklärt. Und wir möchten, dass möglichst viele Menschen das verstehen und diese Chance auch nutzen.

Stop talking. Start planting.

„Stop talking. Start planting.“ – Nicht reden, sondern handeln: Das war deshalb bald unser Weckruf, mit dem wir bis heute unterwegs sind. Dafür halten wir prominenten Menschen, die wir treffen, auf einem Foto den Mund zu, um klarzumachen: Wir haben lange genug geredet über das Problem, jetzt müssen wir es anpacken.

Wir haben eine echte Chance, unser großes Ziel zu erreichen.

Damit wir das schaffen, muss Bäumepflanzen Spaß machen. In der App, die von den Jugendlichen von Plant-for-the-Planet mit erdacht und entwickelt wurde, kann man einen Baumpflanz-Wettbewerb starten und Freunde und Kollegen einladen. Firmen können Wettbewerbe unter ihren Standorten ausrufen. Jeder kann Bäume verschenken oder den eigenen, persönlichen Baumzähler wachsen lassen.

Unsere Akademien tragen dazu bei, das Wissen um die Bedeutung und die Möglichkeit des Bäumepflanzens weiterzugeben. Und sie machen den Kindern Mut, für ihre Zukunft einzutreten – mit der Heilpflanze Baum.

Mitpflanzen in der App